
Fast jede Affäre durchläuft ähnliche emotionale Phasen – von einer harmlosen Freundschaft bis hin zum bewussten Fremdgehen. Mit jeder Phase wächst die Bindung zur Affäre, und die bestehende Beziehung gerät zunehmend unter Druck. Am Ende stellt sich für alle Beteiligten die Frage: Trennung, Neuanfang oder doch das Ende der Affäre?
In Beziehungen gibt es wohl kaum ein Thema, das so leidenschaftlich und intensiv diskutiert wird wie Treue und Untreue. Die Untreue scheint allgegenwärtig zu sein, und manche behaupten sogar, Untreue existiere schon so lange wie die Ehe selbst. Wie kommt es zur Untreue? Die meisten Affären scheinen einem ähnlichen Muster zu folgen:
Eine Affäre unterscheidet sich klar von einem One-Night-Stand. Letzterer passiert meist nur einmal, spontan und als kurzer Kick ohne tiefere emotionale Bindung. Eine Affäre hingegen entwickelt sich von Anfang an, geprägt von Heimlichkeit, erotischer Spannung und emotionaler Beteiligung. Diese Faktoren entstehen erst mit der Zeit und nicht von heute auf morgen. Oft ergibt sich eine Affäre, wenn eine dritte Person in eine bestehende Beziehung tritt. So entsteht eine Dreiecksbeziehung, wie man sie aus vielen Filmen kennt. Manchmal sind aber auch mehr als drei Personen beteiligt, die gleichzeitig eine sexuelle Beziehung führen.
Welche Phasen durchläuft eine Affäre? Verlauf und Entwicklung können sehr unterschiedlich sein. Eine Affäre kann aus einer langjährigen Freundschaft oder der Zusammenarbeit mit einer Kollegin oder einem Kollegen entstehen. Sie kann aber auch durch eine einmalige Begegnung in einem Club oder einer Bar beginnen oder durch gezielte Suche auf entsprechenden Internetseiten. Gemeinsam ist allen Affären, dass sie fünf Phasen durchlaufen, an deren Ende jeweils die Entscheidung steht, ob man weitermacht oder nicht.
1. Phase einer Affäre: Das Verheimlichen eines "harmlosen Kontakts"
Egal, wie sich die Beteiligten begegnen, eine Affäre braucht eine gewisse gegenseitige Anziehung. Man versteht sich, findet sich sympathisch, führt vielleicht tiefgründige Gespräche, lacht zusammen, und genießt die besondere Leichtigkeit miteinander. Auch ohne körperliche Berührungen entsteht eine emotionale Nähe. Nach außen heißt es dann oft, es sei ja nichts passiert, und es habe keinen Körperkontakt gegeben. Doch warum verschweigen die Betroffenen ihrer Partnerin/ihrem Partner solche Treffen? Warum wird das Zusammensein mit dem angeblich besten Freund oder der besten Freundin verheimlicht? In dem Moment, in dem der Kontakt zu einer außenstehenden Person bewusst verborgen wird, wird aus einem vermeintlich harmlosen Austausch eine Affäre.
2. Phase einer Affäre: Die Vertiefung und Annäherung
In der zweiten Phase richtet sich die Aufmerksamkeit immer stärker auf die Affäre, statt auf die eigentliche Partnerin oder den Partner. Der erste Gedanke am Morgen und der letzte am Abend gilt nun der Affäre. Aus einem gelegentlichen Mittagessen wird plötzlich ein Treffen an drei Tagen pro Woche. Die Zeit, die die dritte Person für sich beansprucht, nimmt spürbar zu. Spätestens jetzt beginnen häufige Telefonate und unzählige Nachrichten. Zuhause heißt es dann: „Wir sind doch nur Freunde“ oder „Ich unterhalte mich nur mit meinen Kollegen“. Doch in diesem Stadium ist es längst mehr als nur ein Flirt – es ist eine emotionale Affäre. Die Hochgefühle und das Glück, das sie mit sich bringt, erinnern an die Gefühle, wie es ist, frisch verliebt zu sein, und man möchte darauf nicht mehr verzichten.
3. Phase einer Affäre: Die rote Linie wird überschritten
Aus der emotionalen Affäre wird nun eine körperliche. Die erotische Spannung ist in dieser Phase extrem hoch, und ein schwacher Moment reicht, um das Großhirn auszuschalten und dem „Reptiliengehirn“ – getrieben von Lust und Trieben, statt vom Verstand – freien Lauf zu lassen. Mit dem Überschreiten der roten Linie wächst auch das Lügengebilde zuhause immer weiter. Die Beteiligten haben durch die Affäre ein Bedürfnis gestillt, das zuvor unerfüllt blieb, und möchten diesen Zustand bewahren. Gleichzeitig wollen sie ihre feste Partnerin oder ihren festen Partner nicht mit der Wahrheit verletzen und wollen Konflikte vermeiden. Die Zeit für heimliche Treffen wird dann mit Überstunden, Dienstreisen, neuen Hobbys oder Verabredungen mit Freunden erklärt. Alles, was die Abwesenheit plausibel macht, wird genutzt. Auf Nachfragen reagieren sie oft ausweichend oder, wenn sie sich ertappt fühlen, genervt bis aggressiv.
4. Phase einer Affäre: Das Auffliegen der anderen Beziehung
Auch das ausgeklügelste Lügengebilde hält nicht ewig. Die meisten Affären fliegen irgendwann auf, denn im Gegensatz zu einmaligen One-Night-Stands, die selten tiefere Gefühle beinhalten, nehmen Affären – ob emotional oder körperlich – viel Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch und erhöhen so das Risiko für Nachlässigkeiten. Natürlich kommen nicht alle Affären ans Licht, manche Personen führen jahrelang ein Doppelleben. Viele ahnen den Seitensprung, wollen es aber nicht wahrhaben, um ihre Welt nicht ins Wanken zu bringen. Ist die Affäre jedoch aufgeflogen, wissen die Betrogenen sicher, dass sie hintergangen wurden. Sie durchleben ein Gefühlschaos: Von Liebe über Verzweiflung und Wut bis hin zu tiefer Trauer und Angst. Manche wollen jedes Detail wissen, um ihre Geschichte rückwirkend einzuordnen. Auch die untreue Person hat es schwer: Schuldgefühle setzen ein, und sie muss sich endlosen Fragen stellen. Beschimpfungen oder sogar Handgreiflichkeiten seitens der betrogenen Person sind in dieser Ausnahmesituation keine Seltenheit – das „Reptiliengehirn“ schaltet in den Kampfmodus, um das eigene Selbstwertgefühl zu retten.
5. Phase einer Affäre: Die Entscheidung, wie das Paar nun weitermacht
Plötzlich scheint das Undenkbare möglich: Die Trennung. Ob mit oder ohne Kinder – diese letzte Phase kann extrem belastend sein. Um sie zu überstehen, sollte sich das Paar klar machen, dass die Krise für die betrogene Person zwar eine Katastrophe ist, für die Beziehung aber auch eine Chance zum Neuanfang sein kann. Manche Paare fragen sich dann gemeinsam, was ihnen im Leben wirklich wichtig ist, und was vielleicht über Jahre gefehlt hat – etwas, das die Affäre womöglich zu ersetzen versucht hat. Die doppelt gebundene Person steht nun vor der Entscheidung: Dem Wunsch der Affäre folgen und sich von der Partnerin/dem Partner trennen, oder dem Wunsch der Partnerin/des Partners nachkommen und die Affäre sofort beenden. Nach dem Auffliegen wollen viele einen Neuanfang und Exklusivität mit der bisherigen Partnerin/dem bisherigen Partner, weil die Heimlichkeit – das zentrale Merkmal einer Affäre – verschwunden ist. Andere sind erleichtert, dass das Versteckspiel vorbei ist, und fühlen sich von der Affärenperson stärker angezogen als von der festen Partnerin/dem Partner daheim. Manchmal trennt sich die Betrügende/der Betrüger sogar von beiden. Am häufigsten jedoch besteht zu beiden eine starke emotionale Bindung, und niemand soll verloren gehen. Dann braucht es Zeit zum Nachdenken: "Was ist mir wichtiger? Was bedeutet mir jede/r einzelne?" Eine richtige Lösung gibt es nicht. Am Ende bleiben beide geliebten Menschen verletzt zurück – und auch die betrügende Person gewinnt nicht. Und nicht selten ist es so, dass die betrogene Person die Beziehung beendet.